Schweiz: Jeder dritte Lenker fährt ohnehin zu schnell – BFU warnt höheren Tempolimits
Die signalisierte Höchstgeschwindigkeit wird auf Schweizer Strassen häufig überschritten.
Eine neue BFU-Erhebung zeigt: Jedes dritte Fahrzeug ist zu schnell unterwegs. Das ist beunruhigend, denn Geschwindigkeit ist eine der häufigsten Ursachen für schwere Verkehrsunfälle. Die politische Forderung, die Tempolimits auf 100 ausserorts und 130 auf Autobahnen zu erhöhen, hätte gravierende Folgen. BFU-Direktor Stefan Siegrist warnt: „Das gäbe viele Tote und Schwerverletzte.“
Jeder achte schwere Verkehrsunfall in der Schweiz ist auf zu hohe Geschwindigkeit zurückzuführen. Dazu gehören auch Unfälle, bei denen das Tempo nicht den Verhältnissen angepasst wurde. Die BFU hat schweizweit untersucht, wie gut die signalisierten Tempolimits eingehalten werden. Die Analyse zeigt: Rund ein Drittel der Fahrzeuglenkenden hält sich nicht an die signalisierte Höchstgeschwindigkeit.
Ausserorts hat die Disziplin nachgelassen
Bei Tempo 80 ist zwar der Anteil jener, die sich ans Tempolimit halten, am grössten, doch mittlerweile sind auch hier 27 % schneller unterwegs als erlaubt. Bei der letzten Erhebung im Jahr 2019 waren es noch 21 %. Für BFU-Direktor Stefan Sigrist eine beunruhigende Entwicklung: „Ausserorts ist fast jeder vierte Unfall auf die Geschwindigkeit zurückzuführen.“ Insgesamt sterben auf Ausserortsstrassen im Durchschnitt 116 Personen pro Jahr, 1400 verletzen sich schwer. „Trotzdem wollen Politiker genau hier das Tempolimit um satte 25 % auf 100 km/h erhöhen – ein gefährlicher Vorstoss“, sagt Siegrist.
Politische Position
Eine höhere Höchstgeschwindigkeit führt erfahrungsgemäss dazu, dass auf den Strassen höhere Geschwindigkeiten gefahren werden – auch in Kurven und an unübersichtlichen Stellen. Ein Teil der Verkehrsteilnehmenden würde weiterhin schneller fahren als erlaubt. Dadurch steigt das allgemeine Geschwindigkeitsniveau an. Es bleibt weniger Zeit zu reagieren, der Bremsweg wird länger und das Unfallrisiko steigt. Insbesondere steigt auch das Risiko für schwerwiegende Frontalkollisionen – hier sind immer auch Unschuldige betroffen, die das Tempo den Verhältnissen anpassen und die Limits einhalten. Zudem ist die Schweizer Strasseninfrastruktur nicht auf höhere Höchstgeschwindigkeiten ausgelegt.
Höhere Tempolimits bedeuten mehr Tote und Schwerverletzte
Anhand von empirischen Modellen lassen sich die Folgen einer höheren Durchschnittsgeschwindigkeit berechnen. Die geforderte Tempoerhöhung auf Autobahnen von 120 km/h auf 130 km/h wirkt auf den ersten Blick gering. Doch mit der Geschwindigkeit nimmt das Unfallrisiko überproportional zu. Auf Autobahnen sterben jedes Jahr 17 Personen. Bei 10 km/h mehr wäre jährlich mit mehr als doppelt so vielen Todesopfern zu rechnen. Auf Ausserortsstrassen wäre die Entwicklung des Unfallgeschehens bei einer Erhöhung der Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h auf 100 km/h besonders verheerend.
Die BFU warnt deshalb davor, die Tempolimits auf Autobahnen und Ausserortsstrassen zu erhöhen, wie dies derzeit politisch gefordert wird. Höhere Tempolimits hätten deutlich mehr Tote und Schwerverletzte zur Folge.
Gleichzeitig stellt Stefan Siegrist fest: „Die BFU-Erhebung zeigt auch, dass die Mehrheit die Tempolimits respektiert.“ Zudem hat die BFU in Bevölkerungsbefragungen festgestellt, dass sich die grosse Mehrheit für Tempo 120 auf Autobahnen ausspricht. Die Akzeptanz für 80 km/h ausserorts ist gar noch höher.
Geschwindigkeit ist eines der grössten Risiken im Strassenverkehr.
Die BFU empfiehlt deshalb:
- Geschwindigkeit den Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnissen anpassen
- Genügend Abstand halten
- Auto mit sicherheitsrelevanten Fahrerassistenzsystemen kaufen
- Sicherheitsrelevante Fahrerassistenzsysteme niemals ausschalten und richtig nutzen
Quelle: BFU
Bildquelle: BFU