Zürich-Affoltern ZH: 8. März 1994 – Grossbrand am Bahnhof

Es ist der Morgen des 8. März, als ein mit 20 vollen Benzin-Zisternenwagen bestückter Güterzug fünf Kilometer vor dem Bahnhof Zürich-Affoltern das Radsatzlager der hinteren Achse des hinteren Drehgestells des siebten Wagens verliert und entgleist.

An der Einfahrtsweiche des Bahnhofes springt auch noch die zweite Achse aus den Schienen. Beim folgenden Bahnübergang bricht der Wagen schliesslich aus, überschlägt sich, rammt eine Betonmauer und verliert Benzin.

Der Zug ist schwer, bis zum vollständigen Halten durch eine Zwangsbremsung braucht er mehrere Meter. Die Kupplung zwischen dem zweiten und dritten Wagen reisst, die ersten sechs Wagen bleiben aber auf den Schienen. Fünf weitere Wagen entgleisen, drei davon kippen um, rutschen am zuerst entgleisten Wagen vorbei und schlagen leck.

Das Benzin gerät innert Kürze in Brand und entwickelt eine enorme Hitze, dass sogar Eisenträger der Fahrleitung schmelzen und umkippen. Um 8.20 Uhr, nur 10 Minuten nach dem Unfall, trifft die Berufsfeuerwehr ein und startet direkt die ersten Löschaktionen. Der Grossalarm wurde bereits ausgelöst, immer mehr Feuerwehreinheiten der umliegenden Region treffen auf dem Schadenplatz ein. Unterstützt werden die Feuerwehrleute zudem von einer Sanitäts- und Polizeikompanie der Armee.

Durch die massive Hitze explodieren drei Wagen, was Feuerbälle von über 50 Metern Höhe zu Folge hat. Das Feuer breitet sich laufend aus und ist kaum unter Kontrolle zu kriegen, denn mittlerweile griff dieses auf drei am Bahnhof angrenzende Wohnhäuser über. Die Feuerwehr musste sich zudem neben dem Löschen des Feuers ebenfalls auf die Kühlung der noch intakten Zisternenwagen konzentrieren.

Sollte der Brand noch nicht genug sein, fliesst das ausgelaufene Benzin zusätzlich in die Kanalisation. Durch die Benzindämpfe entwickelt sich auf einmal eine gewaltige Explosion, sodass Kanalisationsdeckel und Teerstücke mehrere hundert Meter weit fliegen. Die unterirdische Kanalisation wird ebenfalls gesprengt, die darüberliegenden Schrebergärten bekommen die volle Wucht zu spüren. Auch ein Regenauffangbecken wird komplett zerstört, dass später das Schweizer Fernsehen in ihrem Bericht sagt: Dicke Betonwände wurden wie Karton geknickt.“

Die drei Wohnhäuser am Bahnhof wurden durch das Feuer und die Explosionen komplett zerstört. Glücklicherweise konnten sich die Bewohnenden rechtzeitig in Sicherheit bringen. Dass durch das Ereignis nicht mehr Verletzte oder gar Tote zu beklagen waren, ist der schnellen Evakuierung durch Anwohnende und durch die Feuerwehr zu verdanken. So wurden über 100 weitere Personen aus sieben Wohnhäusern, einem Einkaufszentrum sowie 36 Kinder aus einem Kindergarten evakuiert.





 

Quelle: Schutz & Rettung Zürich
Bildquelle: Schutz & Rettung Zürich